Fairer Handel

Synode beschließt Selbstverpflichtung zum Fairen Handel

Die Synode (= das Kirchenparlament) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau beschloss eine "Selbstverpflichtung zum Fairen Handel". Lesen Sie hier den Wortlaut des Synodalbeschlusses.

Ein Film der Kampagne "Öko+Fair ernährt mehr"

Einen erschreckenden Film der Aktion "Öko+Fair ernährt mehr" zu mangelnden Einsicht vieler VerbraucherInnen in die Notwendigkeit des Fairen Handels finden Sie hier.

ÖKO-TEST zum Fairen Handel

Titel Ökotest 2012 - 08
Titel des Ökostest 2012 - 08

Das Verbraucher-Magazin „Ökotest“ widmet sich in seiner Ausgabe vom August 2012 dem Fairen Handel und hat dazu 72 Importprodukte wie Kaffee, Wein und Bananen sowie sieben „faire“ Milchsorten aus Deutschland unter die Lupe genommen. Dabei erhielten allerdings lediglich 44 Produkte das Gesamturteil „fair“. Nach Angaben von ÖKO-TEST liegt das größte Problem in den unterschiedlichen Standards und Zertifizierungssystemen, die die Fairness belegen sollen. Gemeinsame Mindestanforderungen für faire Auslobungen seien aber noch nicht entwickelt.

Laut ÖKO-TEST müssen bei seriösen Siegeln die Abnehmer den Produzenten einen Mindestpreis für ihre Produkte garantieren, der die Produktions- und Lebenshaltungskosten abdeckt und die Hersteller unabhängig macht von Preisschwankungen und Spekulation auf dem Weltmarkt. Außerdem sollten sich die Abnehmer verpflichten, bei Bedarf einen Teil des Kaufpreises vor der Lieferung der Ware zu bezahlen. Das verhindere, dass sich Kleinbauern und Kooperativen Geld zu Wucherzinsen leihen müssten, um die Produktionskosten zu finanzieren. Ebenso müsse festgelegt sein, dass Arbeiter den gesetzlich festgelegten Mindestlohn erhalten und die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingehalten werden. Das ÖKO-TEST-Magazin August 2012 gibt es im Zeitschriftenhandel und kostet 3,80 Euro.

www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=100439;bernr=01;co=

Offizielle Definition des Fairen Handels

Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen - insbesondere in den Ländern des Südens - leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Fair-Handels-Organisationen engagieren sich - gemeinsam mit VerbraucherInnen - für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.

[= Gemeinsame Definition der vier internationalen Netzwerke des Fairen Handels: FLO (Fairtrade Labeling Organization), IFAT (International Fair Trade Association), NEWS! (Network of European Worldshops), EFTA (European Fair Trade Association)]
 

Fair oder nicht Fair?

Drei Gütesiegel- und Kodex-Systeme im Vergleich mit dem zertifizierten Fairen Handel.
Fairer Handel kann auf zwei Wegen geschehen: Zum einen über unabhängig zertifizierte Produkte mit FLO-Fairtrade-Siegel, zum anderen über anerkannte Fair-Handels-Organisationen, die sich als Ganzes regelmäßigen Überprüfungen stellen müssen. Fair gehandelte Produkte erkennt man dem entsprechend am internationalen Fairtrade-Siegel oder an den Marken der anerkannten Fair-Handels-Organisationen, die ihre Produkte in erster Linie in Weltläden als den Fachgeschäften des Fairen Handels vermarkten.

Andere Organisationen oder Anbieter, die von sich behaupten, „fair“ zu handeln, müssen sich an den anerkannten Kriterien und der Praxis des internationalen Fairen Handels messen lassen:
Das Ziel des Fairen Handels ist nicht allein die wirtschaftliche Absicherung der Handelspartner, sondern die Stärkung ihrer Entwicklung, ihrer Selbstorganisation sowie ihrer sozialen und politischen Arbeit: In langfristig angelegten Handelspartnerschaften werden existenzsichernde Preise und eine Fair-Handels-Prämie gezahlt, um soziale Entwicklungen zu fördern. Über die Verwendung des Mehrpreises und der Prämie entscheiden die ProduzentInnen demokratisch. Die Handelspartnerschaft erfolgt „auf Augenhöhe“, sie beinhaltet intensiven Dialog und Beratung, sie ist transparent und wird regelmäßig überprüft.

Worin unterscheidet sich nun der Faire Handel von anderen „nachhaltigen“ Handelsansätzen?

Das Forum Fairer Handel als Netzwerk der Fair-Handels-Organisationen und -Akteure in Deutschland hat in einer Studie den zertifizierten Fairen Handel (FLO-Fairtrade) mit drei Ansätzen vergleichen lassen, die sich in ihrer Kommunikation in die Nähe des Fairen Handels rücken:

Das Fazit der Studie ist, dass alle drei untersuchten Ansätze nicht den Kriterien des Fairen Handels entsprechen. Nur der Faire Handel selbst bietet neben ökologischen und sozialen auch die notwendigen ökonomischen Vorteile, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die ökonomischen Vorteile für die ProduzentInnen im FLO-Fairtrade-System sind vor allem

  • ein existenzsichernder (oft garantierter Mindest-)Preis, der die Kosten der Produktion im Sinne der Nachhaltigkeit deckt und ein Leben in Würde ermöglicht. Dazu kommt eine Fair-Handels-Prämie und die Vorfinanzierung der Produktion auf Wunsch der ProduzentInnen.
  • langfristige, verlässliche Handelsbeziehungen, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Die Einhaltung dieser Standards wird von FLO-Fairtrade durch eine unabhängige Zertifizierung überprüft.

    Die anderen untersuchten Systeme haben einen grundsätzlich anderen Anspruch als FLO-Fairtrade:
  • 4C ist ein brancheneigener Verhaltenskodex der Kaffeewirtschaft. Er soll die schlimmsten negativen Praktiken im Kaffeesektor (z. B. ausbeuterische Kinderarbeit, Zwangsräumung ohne Entschädigung, Einsatz verbotener Pestizide) verhindern. Den Kriterien, die die ProduzentInnen erfüllen müssen, stehen keine der Leistungen des Fairen Handels (z. B. Mindestpreise, Möglichkeit zur Vorfinanzierung, externe Kontrolle) gegenüber. 4C ist ein Verhaltenskodex, der die Hauptlast der Veränderung bei den Produzenten belässt.

 

  • Rainforest Alliance will mit einem Umweltmanagementsystem die Minderung von Umweltschäden und den Erhalt der Biodiversität erreichen, die nachhaltige Entwicklung der ProduzentInnen steht nicht im Fokus. Die Einhaltung der Umweltkriterien wird extern kontrolliert, es fehlen aber ökonomische Vorteile für die ProduzentInnen wie Mindestpreise oder Vorfinanzierung. Rainforest Alliance gesiegelte Produkte sind daher weder bio noch fair.

 

  • Hand in Hand von Rapunzel ist ein firmeneigenes konsumentenorientiertes Gütezeichen, das Rapunzel für einen Teil seiner tropischen Agrarprodukte einsetzt. Die firmeneigenen Kriterien sind weit weniger streng als bei FLO und die versprochenen ökonomischen Vorteile für die ProduzentInnen sind nicht transparent. Rapunzel bietet damit zwar 100% bio, ansonsten aber ein CSR-Konzept eines Unternehmens.

    Der Faire Handel insgesamt geht noch über die Festlegung von Standards für einzelne Produkte und deren Zertifizierung und Siegelung hinaus: Als IFAT-Mitglieder sind die anerkannten Fair-Handels-Organisationen beispielsweise Teil einer weltweiten Bewegung aus Produzenten, Händlern, Weltläden und NGOs und investieren u. a. in Bildungs- und Kampagnenarbeit. Gemeinsame Lobby- und Advocacy-Arbeit durch nationale und internationale Netzwerke zielt darauf ab, soziale und ökologische Regeln im nationalen und internationalen Handel durchzusetzen.
     

    Fairer Handel - eine positive Alternative

    Der Faire Handel bietet eine direkte und einfache Methode zur Verbesserung der Situation der Produzenten in den Entwicklungsländern. Durch den Kauf von fair gehandelten Produkten können Verbraucher eine bedeutende Rolle zum schrittweisen globalen Ausgleich von Wohlstand und Macht spielen, indem sie Druck auf Unternehmen ausüben, verantwortlich gegenüber all denen zu handeln, die von ihren Geschäften betroffen sind - vom Produzenten bis zum Verbraucher - , um so zu sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltiger Produktion beizutragen.

    Der Faire Handel möchte zur Überwindung der Armut im Süden beitragen, und zwar durch den Aufbau eines Handelssystems, das auch kleinen Produzenten im Süden Zugang zu den Märkten im Norden gewährt. So baut dieser alternative Handel auf die Fähigkeiten der Produzenten und gibt Gemeinschaften (z.B. Kooperativen, Genossenschaften) die Möglichkeit, bei ihrer eigenen Entwicklung eine aktive Rolle zu spielen. Gleichzeitig kommt er der Nachfrage der Verbraucher im Norden nach. Das Hauptmerkmal des Fairen Handels liegt in gleichberechtigter Parnterschaft und gegenseitigem Respekt - Partnerschaft zwischen Produzenten im Süden und Importeuren, Fair-Handelsgeschäften, Siegelorganisationen und Verbrauchern im Norden. Fairer Handel macht den Handelsvorgang menschlicher und die Kette zwischen Produzenten und Verbrauchern so kurz wie möglich, so dass die Konsumenten auch etwas von der Kultur, Identität und den Lebens- umständen der Produzenten erfahren. Alle Beteiligten setzen sich für die Prinzipien des Fairen Handels ein.

    Der Begriff “Fairer Handel” ist nicht eindeutig definiert, jedoch kann man die zentralen Elemente des Konzeptes, mit denen sich der Faire Handel vom konventionellen Handel unterscheidet, wie folgt zusammenfassen:

    “Fairer Handel bezeichnet eine durch eine Alternative Handelsorganisation und Fair Trade Labeling Organisation vermittelte bzw. begleitete Handelsbeziehung mit ausgewählten, in der Produktions- kapazität eher kleinen, im Marktzugang eher benachteiligten ProduzentInnen-Gruppen, die sich von rein kommerziellen Handelsbeziehungen konzeptionell unterscheidet durch

    < >die Zahlung eines “Fairen Preises”, d.h. eines Erzeugerpreises, der in der Regel über dem durchschnittlichen (Welt-)Marktpreis liegt und ein ausreichendes Einkommen für ein menschenwürdiges Leben ermöglicht sowie Spielraum für Investitionen läßt,auf Wunsch der Produzenten zumindest teilweisen Vorfinanzierung der Handelskontrakte,die Förderung langfristiger, vorausschauende Planung ermöglichende Handelsbeziehungen,Direkteinkauf, d.h. die möglichst weitgehende Ausschaltung des Zwischenhandels,die Einhaltung grundlegender sozialer Standards in der Produktion (ILO-Kernarbeitsstandards)die Förderung ökologisch verträglicher Produktionsweisen.

    Hinzukommen weitere Kriterien, wie etwa Beratung der Produzenten bei Produktentwicklung und Marketing.

    Von den ProduzentInnen im Süden werden demokratische Arbeitsweise und Entscheidungs- prozesse innerhalb der Organisation erwartet.

    Zusätzlich zu diesen partnerschaftlichen Grundbedingungen werden meist noch einige andere Punkte vereinbart. Die Arbeit der Partner im Süden muss (wirtschaftlich, umweltpolitisch und sozial) nachhaltig sein, annehmbare Arbeitsbedingungen gewähren, zur Entwicklung der Gemeinschaft beitragen und, wo immer möglich, Arbeitsplätze schaffen. Weiterhin ist von Bedeutung, daß die ProduzentInnen ihre Waren vor dem Export so weit wie möglich in der Region verarbeiten und sich so eine höhere Wertschöpfung  und technische Fähigkeiten verschaffen.