Worin unterscheidet sich nun der Faire Handel von anderen „nachhaltigen“ Handelsansätzen?

 

Das Forum Fairer Handel als Netzwerk der Fair-Handels-Organisationen und -Akteure in Deutschland hat in einer Studie den zertifizierten Fairen Handel (FLO-Fairtrade) mit drei Ansätzen vergleichen lassen, die sich in ihrer Kommunikation in die Nähe des Fairen Handels rücken:

Das Fazit der Studie ist, dass alle drei untersuchten Ansätze nicht den Kriterien des Fairen Handels entsprechen. Nur der Faire Handel selbst bietet neben ökologischen und sozialen auch die notwendigen ökonomischen Vorteile, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die ökonomischen Vorteile für die ProduzentInnen im FLO-Fairtrade-System sind vor allem

  • ein existenzsichernder (oft garantierter Mindest-)Preis, der die Kosten der Produktion im Sinne der Nachhaltigkeit deckt und ein Leben in Würde ermöglicht. Dazu kommt eine Fair-Handels-Prämie und die Vorfinanzierung der Produktion auf Wunsch der ProduzentInnen.
  • langfristige, verlässliche Handelsbeziehungen, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Die Einhaltung dieser Standards wird von FLO-Fairtrade durch eine unabhängige Zertifizierung überprüft.

Die anderen untersuchten Systeme haben einen grundsätzlich anderen Anspruch als FLO-Fairtrade:

  • 4C ist ein brancheneigener Verhaltenskodex der Kaffeewirtschaft. Er soll die schlimmsten negativen Praktiken im Kaffeesektor (z. B. ausbeuterische Kinderarbeit, Zwangsräumung ohne Entschädigung, Einsatz verbotener Pestizide) verhindern. Den Kriterien, die die ProduzentInnen erfüllen müssen, stehen keine der Leistungen des Fairen Handels (z. B. Mindestpreise, Möglichkeit zur Vorfinanzierung, externe Kontrolle) gegenüber. 4C ist ein Verhaltenskodex, der die Hauptlast der Veränderung bei den Produzenten belässt.
  • Rainforest Alliance will mit einem Umweltmanagementsystem die Minderung von Umweltschäden und den Erhalt der Biodiversität erreichen, die nachhaltige Entwicklung der ProduzentInnen steht nicht im Fokus. Die Einhaltung der Umweltkriterien wird extern kontrolliert, es fehlen aber ökonomische Vorteile für die ProduzentInnen wie Mindestpreise oder Vorfinanzierung. Rainforest Alliance gesiegelte Produkte sind daher weder bio noch fair.
  • Hand in Hand von Rapunzel ist ein firmeneigenes konsumentenorientiertes Gütezeichen, das Rapunzel für einen Teil seiner tropischen Agrarprodukte einsetzt. Die firmeneigenen Kriterien sind weit weniger streng als bei FLO und die versprochenen ökonomischen Vorteile für die ProduzentInnen sind nicht transparent. Rapunzel bietet damit zwar 100% bio, ansonsten aber ein CSR-Konzept eines Unternehmens.

Der Faire Handel insgesamt geht noch über die Festlegung von Standards für einzelne Produkte und deren Zertifizierung und Siegelung hinaus: Als WFTO-Mitglieder  sind die anerkannten Fair-Handels-Organisationen beispielsweise Teil einer weltweiten Bewegung aus Produzenten, Händlern, Weltläden und NGOs und investieren u. a. in Bildungs- und Kampagnenarbeit. Gemeinsame Lobby- und Advocacy-Arbeit durch nationale und internationale Netzwerke zielt darauf ab, soziale und ökologische Regeln im nationalen und internationalen Handel durchzusetzen.